Ludwig der Große – wichtige Begriffe
Was war das Neuntel? Warum war ererbter Adelsbesitz an die Verwandtschaft gebunden? Was war ein Grundherrengericht, und was bedeutete die Formulierung, dass die Adligen „eine und dieselbe Freiheit“ genießen? Hier ordnen wir die wichtigsten Begriffe aus der Zeit Ludwigs I.
Neuntel – eine Abgabe an den Grundherrn
Der Name „Neuntel“ ist leicht misszuverstehen. Gemeint war nicht einfach ein Neuntel des gesamten Ertrags. Die mittelalterliche nona wurde in der historischen Literatur auch als „zweiter Zehnt“ bezeichnet.
Für das Lernen kannst du dir zehn gleich große Teile vorstellen: Neben dem kirchlichen Zehnt stand eine weitere Zehntportion für den Grundherrn. Diese wurde als Neuntel bezeichnet.
Stell dir zehn Säcke Getreide vor
Grundherr
Kirche
Das ist ein Lernmodell. In der Wirklichkeit richteten sich die Abgaben nach den jeweiligen Erzeugnissen und den mittelalterlichen Wirtschaftsverhältnissen.
Avitizität – ererbter Adelsbesitz war an die Sippe gebunden
Die Avitizität wurde 1351 nicht vollständig neu geschaffen. Die Bindung ererbten Adelsbesitzes an die Sippe war älter. Ludwig änderte jedoch eine Bestimmung der Goldenen Bulle von 1222, die eine freiere Verfügung über bestimmte Güter zugelassen hatte.
Im ungarischen Reformzeitalter erschwerte die starke Bindung des Adelsbesitzes unter anderem Kreditaufnahme und freien Grundstücksverkehr. István Széchenyi kritisierte diese Verhältnisse in seinem Werk Hitel.
Grundherrengericht – Gerichtsbarkeit auf dem Herrschaftsgut
Eine mittelalterliche Grundherrschaft war nicht nur eine wirtschaftliche Einheit. Der Grundherr übte gegenüber den auf seinem Besitz lebenden Bauern auch bestimmte gerichtliche Befugnisse aus.
Das Grundherrengericht entstand nicht erst unter Ludwig I. Es gehört dennoch zu den wichtigen Begriffen der Epoche, weil es die rechtliche Seite der grundherrschaftlichen Abhängigkeit zeigt.
Adeliger – gleicher Rechtsstand, sehr unterschiedliche Vermögen
„Eine und dieselbe Freiheit“
Das Dekret von 1351 betonte, dass die echten Adligen des Königreichs dieselbe Freiheit genießen sollten. Das bedeutete eine gemeinsame Rechtsstellung, nicht aber gleichen Reichtum oder gleichen politischen Einfluss.
Begriffe, die dir beim Verständnis der Epoche helfen
Wie stark hängen Pest, Bauernmobilität und Neuntel wirklich zusammen?
In Schulbüchern werden diese Punkte häufig als klare Ursache-Wirkungs-Kette dargestellt. Für das Verständnis ist der Zusammenhang hilfreich – historisch sollte man ihn aber vorsichtiger formulieren.
Pest und Arbeitskräfte gehören zum zeitgeschichtlichen Hintergrund
Die Pest erreichte das Königreich Ungarn spätestens 1349. In einem Europa mit starken Bevölkerungsverlusten konnten Arbeitskräfte und bäuerliche Mobilität wirtschaftlich wichtiger werden. Zugleich sollte die verpflichtende Erhebung des Neuntels verhindern, dass Grundherren diese Abgabe einfach nach Belieben erließen.
„Pest → Arbeitskräftemangel → Neuntelgesetz“
Diese direkte Kette lässt sich für Ungarn nicht sicher aus den Quellen ableiten. Für die Gesetzgebung von 1351 spielten auch ältere Rechtsverhältnisse, die Interessen des Adels, königliche Politik und die Ordnung der Grundherrschaft eine Rolle. Deshalb behandeln wir die Pest als Hintergrund, nicht als einzige Ursache.