Wichtige Personen · 6. Klasse

Ludwig der Große – wichtige Personen

Die Geschichte eines Königs ist fast nie nur die Geschichte eines einzigen Menschen. Brüder, Königinnen, polnische Verwandte, Soldaten und Erbinnen beeinflussten die Herrschaft Ludwigs I. Lerne die Personen kennen, deren Schicksal besonders eng mit seiner Geschichte verbunden war.

Ludwig I. – König von Ungarn und PolenAndreas – der ermordete BruderJohanna I. – Königin von NeapelElisabeth – Ludwigs MutterKasimir III. – König von PolenMiklós Toldi – Soldat und Hofritter
Zuerst der Überblick

Wie hängen diese Personen zusammen?

Die ungarische Königsfamilie

Ludwig und Andreas waren Söhne Karls I. und Elisabeths von Polen. Ludwig folgte seinem Vater auf dem ungarischen Thron, Andreas wurde zu einer Schlüsselfigur der neapolitanischen Erbfolgepolitik.

Die Verbindung zu Neapel

Andreas heiratete Johanna von Neapel. Nach seiner Ermordung führte Ludwig zwei Feldzüge nach Süditalien.

Die Verbindung zu Polen

Elisabeth war die Schwester Kasimirs III. Entscheidend für Ludwigs spätere Thronfolge in Polen waren neben dieser Verwandtschaft vor allem dynastische Erbfolgevereinbarungen.

Die Nachfolge

Ludwig hatte keinen überlebenden Sohn. Nach seinem Tod wurde Maria Herrscherin von Ungarn; Hedwig übernahm später die polnische Krone.

Darum geht es: Ludwigs Herrschaft war zugleich Familiengeschichte, dynastische Politik, Kriegsgeschichte und eine Frage der Thronfolge. Verwandtschaft konnte im Mittelalter unmittelbare politische Folgen haben.

Ludwig I. von Ungarn an der Spitze seines Heeres während eines Feldzuges nach Neapel
Historische Illustration Ludwigs I. während eines seiner Feldzüge nach Süditalien.
Die zentrale Person der Epoche

Ludwig I. (der Große)

1326–1382 · König von Ungarn 1342–1382 · König von Polen 1370–1382

Ludwig war ein Sohn Karls I. und Elisabeths von Polen. Nach dem Tod seines Vaters folgte er ihm 1342 ohne langwierigen Thronkrieg als König von Ungarn. Er konnte auf einer bereits gefestigten Königsherrschaft und einem funktionierenden Finanzsystem aufbauen.

Nach der Ermordung seines Bruders Andreas führte Ludwig zwei Feldzüge gegen das Königreich Neapel. Zu seiner Regierungszeit gehören außerdem die Gesetzgebung von 1351, die Kämpfe gegen Venedig um Dalmatien und ab 1370 die Personalunion mit Polen.

Kurz gesagt: Ludwig führte eine aktive Außenpolitik. Von 1370 bis zu seinem Tod war er zugleich König von Ungarn und Polen, ohne dass die beiden Königreiche zu einem einzigen Staat verschmolzen.
1342König von Ungarn
1351wichtige Gesetzgebung
1358Frieden von Zadar
1370auch König von Polen
Andreas von Ungarn verlässt nachts seine Gemächer in Aversa, während Verschwörer warten
Historische Illustration der Situation vor der Ermordung Andreas' in Aversa im Jahr 1345.
Ludwigs jüngerer Bruder

Andreas von Ungarn

1327–1345 · Herzog von Kalabrien · Ehemann Johannas I. von Neapel

Andreas kam bereits als Kind nach Neapel. Seine Ehe mit Johanna sollte den Erbstreit zwischen den ungarischen und neapolitanischen Linien des Hauses Anjou entschärfen.

Als Johanna 1343 Königin von Neapel wurde, blieb die Stellung ihres Ehemanns umstritten. Andreas verlangte – unterstützt vom ungarischen Hof – eine königliche Stellung und eine stärkere Beteiligung an der Herrschaft. Teile des neapolitanischen Hofes lehnten dies ab.

In der Nacht vom 18. auf den 19. September 1345 wurde Andreas in Aversa von Verschwörern ermordet. Er war noch keine achtzehn Jahre alt. Sein Tod wurde zum unmittelbaren Anlass für Ludwigs spätere Feldzüge nach Neapel.

Kurz gesagt: Der Mord an Andreas verschärfte einen bereits bestehenden dynastischen Konflikt und machte ihn zu einer internationalen politischen Krise.
Johanna I. von Neapel in einer historischen Illustration mit dem Hafen von Neapel im Hintergrund
Historische Rekonstruktion Johannas I. von Neapel.
Herrscherin von Neapel

Johanna I. von Neapel

1326–1382 · Königin von Neapel 1343–1382 · Ehefrau Andreas'

Johanna war die Enkelin König Roberts von Neapel und folgte ihm 1343 auf den Thron. Die Stellung ihres Ehemanns Andreas war am Hof jedoch umstritten, und mehrere politische Gruppen standen seinen Ansprüchen ablehnend gegenüber.

Nach Andreas' Ermordung gerieten mehrere Personen aus Johannas Umfeld unter Verdacht. Auch Ludwig beschuldigte seine Schwägerin. Eine aktive Beteiligung Johannas an der Verschwörung lässt sich jedoch nicht eindeutig beweisen. Deshalb darf sie nicht einfach als gesicherte Auftraggeberin des Mordes dargestellt werden.

Während Ludwigs erstem Feldzug verließ Johanna Neapel und floh in die Provence. Später kehrte sie zurück und behauptete ihre Herrschaft über das Königreich.

Kurz gesagt: Johanna wurde zu einer zentralen Gegnerin Ludwigs in der neapolitanischen Politik. Ihre persönliche Schuld am Mord an Andreas ist jedoch historisch nicht bewiesen.
Elisabeth von Polen mit ihren Söhnen Ludwig und Andreas über einer Karte
Historische Rekonstruktion Elisabeths von Polen mit ihren Söhnen.
Mutter und dynastische Verbindung

Elisabeth von Polen (Łokietek)

1305–1380 · Ehefrau Karls I. · Mutter Ludwigs und Andreas'

Elisabeth stammte aus dem polnischen Herrscherhaus der Piasten. Sie war eine Tochter König Władysławs I. Łokietek und eine Schwester Kasimirs III. des Großen. Ihre Ehe mit Karl I. stärkte die dynastische Verbindung zwischen Ungarn und Polen.

Wegen der unsicheren Stellung ihres Sohnes Andreas reiste Elisabeth 1343 persönlich nach Italien. Mit beträchtlichen finanziellen Mitteln und diplomatischem Einfluss versuchte sie, die Anerkennung seiner königlichen Rechte in Neapel voranzubringen.

Auch während Ludwigs Herrschaft blieb sie eine einflussreiche Persönlichkeit. Nach Ludwigs Thronbesteigung in Polen übernahm sie zeitweise die Regentschaft in seinem Namen.

Kurz gesagt: Über Elisabeth waren die ungarischen Anjou unmittelbar mit dem polnischen Piastenhaus verwandt. Diese Verwandtschaft war wichtig, aber Ludwigs polnische Thronfolge beruhte zusätzlich auf konkreten dynastischen Vereinbarungen.
Kasimir III. der Große von Polen bei einer Beratung über Bau- und Befestigungsmaßnahmen
Historische Rekonstruktion Kasimirs III. des Großen.
Schlüsselperson der polnischen Nachfolge

Kasimir III. der Große

1310–1370 · König von Polen 1333–1370 · Bruder Elisabeths

Kasimir III. gehört zu den bedeutendsten Herrschern des mittelalterlichen Polen. Er stärkte die königliche Verwaltung, förderte Städte und Wirtschaft und ließ Burgen sowie Stadtbefestigungen ausbauen. Unter seiner Herrschaft wurde 1364 auch die Universität von Krakau gegründet.

Kasimir hinterließ keinen legitimen Sohn. Aufgrund zuvor geschlossener ungarisch-polnischer Erbfolgevereinbarungen folgte ihm 1370 sein Neffe Ludwig I. auf dem polnischen Thron.

Kurz gesagt: Mit Kasimirs Tod wurde die bereits vorbereitete ungarisch-polnische Thronfolge Wirklichkeit: Ludwig wurde König eines zweiten, weiterhin eigenständigen Königreichs.
1333König von Polen
1370Tod ohne legitimen Sohn
Miklós Toldi als ungarischer Adeliger und Soldat des 14. Jahrhunderts in einem Burghof
Historische Rekonstruktion von Miklós Toldi. Ein gesichertes zeitgenössisches Porträt ist nicht bekannt.
Historische Person und späterer Sagenheld

Miklós Toldi

ungarischer Adeliger und Soldat des 14. Jahrhunderts · seit 1351 urkundlich belegt

Miklós Toldi war nicht nur die literarische Figur, die später durch János Arany berühmt wurde. Er ist als wirkliche historische Person urkundlich nachweisbar. 1351 erscheint er als Vizegespan des Komitats Sáros.

1363 setzte Ludwig ihn als einen der militärischen Führer eines Italienunternehmens zum Schutz päpstlicher Gebiete ein. 1365 gehörte Toldi zu den Anführern einer Söldnertruppe, die als „Weiße Kompanie“ bezeichnet wurde. 1366 war er bereits Ritter am königlichen Hof und wurde Gespan des Komitats Gömör.

Was ist Geschichte, was ist Legende? Toldis Ämter, seine militärische Laufbahn und seine Verbindung zum königlichen Hof sind durch Urkunden belegt. Viele berühmte Episoden der späteren Toldi-Tradition lassen sich dagegen nicht als historische Tatsachen nachweisen.
1351Vizegespan von Sáros
1366Hofritter und Gespan von Gömör
Die Geschichte geht weiter

Was geschah nach Ludwigs Tod?

Ludwig hinterließ keinen überlebenden Sohn. Seine Töchter waren daher nicht nur Familienmitglieder, sondern zentrale Figuren der dynastischen Politik.

Die junge Maria von Ungarn berät sich mit ungarischen Magnaten
Herrscherin von Ungarn

Maria von Ungarn

1371–1395 · Herrscherin von Ungarn ab 1382

Maria war beim Tod ihres Vaters ungefähr elf Jahre alt. Am 17. September 1382 wurde sie mit der Heiligen Krone gekrönt. Bemerkenswert ist, dass zeitgenössische Quellen sie dabei mit dem männlichen Königstitel rex bezeichneten: Sie sollte als eigenständige Trägerin der Königsmacht gelten.

Der Beginn ihrer Herrschaft war von Konflikten zwischen Adelsgruppen und Auseinandersetzungen um die Nachfolge geprägt. 1385 heiratete sie Sigismund von Luxemburg; 1387 wurde auch Sigismund zum König von Ungarn gekrönt.

Die junge Hedwig von Anjou wird in einer gotischen Kathedrale zur Herrscherin von Polen gekrönt
Herrscherin von Polen

Hedwig (Jadwiga) von Anjou

1374–1399 · Herrscherin von Polen ab 1384

Hedwig war Ludwigs jüngere Tochter. Nachdem die ungarisch-polnische Personalunion nach Ludwigs Tod zerfallen war, wurde sie 1384 in Krakau zur Herrscherin Polens gekrönt. Auch bei ihr betonte der lateinische Herrschertitel rex Poloniae die eigenständige königliche Gewalt.

1386 heiratete sie den litauischen Großfürsten Jogaila, der nach seiner Taufe als Władysław II. Jagiełło zum König von Polen gekrönt wurde. Diese Verbindung wurde zu einem Wendepunkt in der Geschichte Polens und Litauens.

Weitere Personen

Wem begegnest du noch in Ludwigs Geschichte?

1

István Lackfi

Baron und Heerführer

Lackfi gehörte zu den wichtigen ungarischen Heerführern während der Feldzüge in Italien. Die Chronik berichtet, dass er zusammen mit Wolfhard dem bei Aversa verwundeten König half, die tief sitzende Pfeilspitze aus dessen Bein entfernen zu lassen.

2

János Besenyő

Mitglied von Ludwigs Gefolge

Nach der Chroniktradition rettete Besenyő 1353 bei einer Jagd nahe Zólyom dem König das Leben. Ein verwundeter Bär hatte Ludwig zu Boden gerissen; Besenyő griff ein und tötete das Tier mit seinem Schwert.

3

János Küküllei

Geistlicher und Geschichtsschreiber

Küküllei gehörte zum kirchlichen und höfischen Umfeld des 14. Jahrhunderts. Sein Werk über die Taten Ludwigs I. ist eine wichtige erzählende Quelle für die Regierungszeit des Königs. Wie bei jeder mittelalterlichen Chronik muss dabei zwischen Ereignisbericht, Hofperspektive und Herrscherlob unterschieden werden.

Zusammenfassung

Wer tat was?

Ludwig I.König von Ungarn und ab 1370 auch von Polen; Feldzüge, Gesetzgebung von 1351 und die Politik in Dalmatien gehören zu seiner Herrschaft.
AndreasLudwigs jüngerer Bruder und Ehemann Johannas; seine Ermordung wurde zum unmittelbaren Anlass der Feldzüge nach Neapel.
Johanna I.Königin von Neapel und Ehefrau Andreas'; ihre persönliche Beteiligung an seinem Mord ist nicht bewiesen.
Elisabeth von PolenLudwigs Mutter und Schwester Kasimirs III.; wichtige dynastische Verbindung zwischen Ungarn und Polen.
Kasimir III.König von Polen; nach seinem Tod ohne legitimen Sohn folgte Ludwig aufgrund dynastischer Vereinbarungen auf dem polnischen Thron.
Miklós ToldiHistorisch belegter Soldat, Amtsträger und Hofritter, dessen Gestalt später zum Sagen- und Literaturhelden wurde.
MariaLudwigs Tochter; 1382 als Herrscherin von Ungarn gekrönt.
Hedwig / JadwigaLudwigs Tochter; 1384 zur Herrscherin von Polen gekrönt.
Schnelltest

Kennst du die Personen?

Wer war Ludwigs jüngerer Bruder, der in Aversa ermordet wurde?

Andreas von Ungarn.

Warum ist Kasimir III. für Ludwigs Geschichte wichtig?

Kasimir starb ohne legitimen Sohn. Aufgrund zuvor getroffener dynastischer Vereinbarungen folgte ihm sein Neffe Ludwig I. auf dem polnischen Thron.

Ist sicher bewiesen, dass Johanna den Mord an Andreas angeordnet hat?

Nein. Personen aus ihrem Umfeld waren beteiligt, Johannas eigene aktive Beteiligung lässt sich jedoch nicht eindeutig beweisen.

War Miklós Toldi nur eine literarische Figur?

Nein. Toldi ist als historische Person urkundlich belegt. Viele Geschichten über seine übermenschliche Kraft gehören jedoch zur späteren Überlieferung und Literatur.

Wer folgte Ludwig in Ungarn auf den Thron?

Seine Tochter Maria.

Wer wurde 1384 Herrscherin von Polen?

Ludwigs jüngere Tochter Hedwig, auf Polnisch Jadwiga.

Quellen und Hinweise zur fachlichen Prüfung
  • Magyar Nemzeti Levéltár: Miklós Toldi als historische Person und seine urkundlich belegten Ämter.
  • János Küküllei und die Chroniktradition zu Ludwig I.: Berichte zu Aversa und zur Bärenjagd von 1353.
  • Treccani: Andreas von Ungarn und Johanna I. von Neapel.
  • Wawel Royal Castle: Kasimir III. und die Herrschaft Hedwigs/Jadwigas.
  • Forschung zur ungarischen Königsherrschaft: Maria und der mittelalterliche Titel rex.
Die verwendeten Bilder sind historische Illustrationen und Rekonstruktionen. Nicht von allen dargestellten Personen ist ein gesichertes zeitgenössisches Porträt überliefert.