Ludwig der Große – wichtige Personen
Die Geschichte eines Königs ist fast nie nur die Geschichte eines einzigen Menschen. Brüder, Königinnen, polnische Verwandte, Soldaten und Erbinnen beeinflussten die Herrschaft Ludwigs I. Lerne die Personen kennen, deren Schicksal besonders eng mit seiner Geschichte verbunden war.
Wie hängen diese Personen zusammen?
Ludwig und Andreas waren Söhne Karls I. und Elisabeths von Polen. Ludwig folgte seinem Vater auf dem ungarischen Thron, Andreas wurde zu einer Schlüsselfigur der neapolitanischen Erbfolgepolitik.
Andreas heiratete Johanna von Neapel. Nach seiner Ermordung führte Ludwig zwei Feldzüge nach Süditalien.
Elisabeth war die Schwester Kasimirs III. Entscheidend für Ludwigs spätere Thronfolge in Polen waren neben dieser Verwandtschaft vor allem dynastische Erbfolgevereinbarungen.
Ludwig hatte keinen überlebenden Sohn. Nach seinem Tod wurde Maria Herrscherin von Ungarn; Hedwig übernahm später die polnische Krone.
Darum geht es: Ludwigs Herrschaft war zugleich Familiengeschichte, dynastische Politik, Kriegsgeschichte und eine Frage der Thronfolge. Verwandtschaft konnte im Mittelalter unmittelbare politische Folgen haben.

Ludwig I. (der Große)
Ludwig war ein Sohn Karls I. und Elisabeths von Polen. Nach dem Tod seines Vaters folgte er ihm 1342 ohne langwierigen Thronkrieg als König von Ungarn. Er konnte auf einer bereits gefestigten Königsherrschaft und einem funktionierenden Finanzsystem aufbauen.
Nach der Ermordung seines Bruders Andreas führte Ludwig zwei Feldzüge gegen das Königreich Neapel. Zu seiner Regierungszeit gehören außerdem die Gesetzgebung von 1351, die Kämpfe gegen Venedig um Dalmatien und ab 1370 die Personalunion mit Polen.

Andreas von Ungarn
Andreas kam bereits als Kind nach Neapel. Seine Ehe mit Johanna sollte den Erbstreit zwischen den ungarischen und neapolitanischen Linien des Hauses Anjou entschärfen.
Als Johanna 1343 Königin von Neapel wurde, blieb die Stellung ihres Ehemanns umstritten. Andreas verlangte – unterstützt vom ungarischen Hof – eine königliche Stellung und eine stärkere Beteiligung an der Herrschaft. Teile des neapolitanischen Hofes lehnten dies ab.
In der Nacht vom 18. auf den 19. September 1345 wurde Andreas in Aversa von Verschwörern ermordet. Er war noch keine achtzehn Jahre alt. Sein Tod wurde zum unmittelbaren Anlass für Ludwigs spätere Feldzüge nach Neapel.

Johanna I. von Neapel
Johanna war die Enkelin König Roberts von Neapel und folgte ihm 1343 auf den Thron. Die Stellung ihres Ehemanns Andreas war am Hof jedoch umstritten, und mehrere politische Gruppen standen seinen Ansprüchen ablehnend gegenüber.
Nach Andreas' Ermordung gerieten mehrere Personen aus Johannas Umfeld unter Verdacht. Auch Ludwig beschuldigte seine Schwägerin. Eine aktive Beteiligung Johannas an der Verschwörung lässt sich jedoch nicht eindeutig beweisen. Deshalb darf sie nicht einfach als gesicherte Auftraggeberin des Mordes dargestellt werden.
Während Ludwigs erstem Feldzug verließ Johanna Neapel und floh in die Provence. Später kehrte sie zurück und behauptete ihre Herrschaft über das Königreich.

Elisabeth von Polen (Łokietek)
Elisabeth stammte aus dem polnischen Herrscherhaus der Piasten. Sie war eine Tochter König Władysławs I. Łokietek und eine Schwester Kasimirs III. des Großen. Ihre Ehe mit Karl I. stärkte die dynastische Verbindung zwischen Ungarn und Polen.
Wegen der unsicheren Stellung ihres Sohnes Andreas reiste Elisabeth 1343 persönlich nach Italien. Mit beträchtlichen finanziellen Mitteln und diplomatischem Einfluss versuchte sie, die Anerkennung seiner königlichen Rechte in Neapel voranzubringen.
Auch während Ludwigs Herrschaft blieb sie eine einflussreiche Persönlichkeit. Nach Ludwigs Thronbesteigung in Polen übernahm sie zeitweise die Regentschaft in seinem Namen.

Kasimir III. der Große
Kasimir III. gehört zu den bedeutendsten Herrschern des mittelalterlichen Polen. Er stärkte die königliche Verwaltung, förderte Städte und Wirtschaft und ließ Burgen sowie Stadtbefestigungen ausbauen. Unter seiner Herrschaft wurde 1364 auch die Universität von Krakau gegründet.
Kasimir hinterließ keinen legitimen Sohn. Aufgrund zuvor geschlossener ungarisch-polnischer Erbfolgevereinbarungen folgte ihm 1370 sein Neffe Ludwig I. auf dem polnischen Thron.

Miklós Toldi
Miklós Toldi war nicht nur die literarische Figur, die später durch János Arany berühmt wurde. Er ist als wirkliche historische Person urkundlich nachweisbar. 1351 erscheint er als Vizegespan des Komitats Sáros.
1363 setzte Ludwig ihn als einen der militärischen Führer eines Italienunternehmens zum Schutz päpstlicher Gebiete ein. 1365 gehörte Toldi zu den Anführern einer Söldnertruppe, die als „Weiße Kompanie“ bezeichnet wurde. 1366 war er bereits Ritter am königlichen Hof und wurde Gespan des Komitats Gömör.
Was geschah nach Ludwigs Tod?
Ludwig hinterließ keinen überlebenden Sohn. Seine Töchter waren daher nicht nur Familienmitglieder, sondern zentrale Figuren der dynastischen Politik.

Maria von Ungarn
Maria war beim Tod ihres Vaters ungefähr elf Jahre alt. Am 17. September 1382 wurde sie mit der Heiligen Krone gekrönt. Bemerkenswert ist, dass zeitgenössische Quellen sie dabei mit dem männlichen Königstitel rex bezeichneten: Sie sollte als eigenständige Trägerin der Königsmacht gelten.
Der Beginn ihrer Herrschaft war von Konflikten zwischen Adelsgruppen und Auseinandersetzungen um die Nachfolge geprägt. 1385 heiratete sie Sigismund von Luxemburg; 1387 wurde auch Sigismund zum König von Ungarn gekrönt.

Hedwig (Jadwiga) von Anjou
Hedwig war Ludwigs jüngere Tochter. Nachdem die ungarisch-polnische Personalunion nach Ludwigs Tod zerfallen war, wurde sie 1384 in Krakau zur Herrscherin Polens gekrönt. Auch bei ihr betonte der lateinische Herrschertitel rex Poloniae die eigenständige königliche Gewalt.
1386 heiratete sie den litauischen Großfürsten Jogaila, der nach seiner Taufe als Władysław II. Jagiełło zum König von Polen gekrönt wurde. Diese Verbindung wurde zu einem Wendepunkt in der Geschichte Polens und Litauens.
Wem begegnest du noch in Ludwigs Geschichte?
István Lackfi
Lackfi gehörte zu den wichtigen ungarischen Heerführern während der Feldzüge in Italien. Die Chronik berichtet, dass er zusammen mit Wolfhard dem bei Aversa verwundeten König half, die tief sitzende Pfeilspitze aus dessen Bein entfernen zu lassen.
János Besenyő
Nach der Chroniktradition rettete Besenyő 1353 bei einer Jagd nahe Zólyom dem König das Leben. Ein verwundeter Bär hatte Ludwig zu Boden gerissen; Besenyő griff ein und tötete das Tier mit seinem Schwert.
János Küküllei
Küküllei gehörte zum kirchlichen und höfischen Umfeld des 14. Jahrhunderts. Sein Werk über die Taten Ludwigs I. ist eine wichtige erzählende Quelle für die Regierungszeit des Königs. Wie bei jeder mittelalterlichen Chronik muss dabei zwischen Ereignisbericht, Hofperspektive und Herrscherlob unterschieden werden.
Wer tat was?
Kennst du die Personen?
Wer war Ludwigs jüngerer Bruder, der in Aversa ermordet wurde?
Andreas von Ungarn.
Warum ist Kasimir III. für Ludwigs Geschichte wichtig?
Kasimir starb ohne legitimen Sohn. Aufgrund zuvor getroffener dynastischer Vereinbarungen folgte ihm sein Neffe Ludwig I. auf dem polnischen Thron.
Ist sicher bewiesen, dass Johanna den Mord an Andreas angeordnet hat?
Nein. Personen aus ihrem Umfeld waren beteiligt, Johannas eigene aktive Beteiligung lässt sich jedoch nicht eindeutig beweisen.
War Miklós Toldi nur eine literarische Figur?
Nein. Toldi ist als historische Person urkundlich belegt. Viele Geschichten über seine übermenschliche Kraft gehören jedoch zur späteren Überlieferung und Literatur.
Wer folgte Ludwig in Ungarn auf den Thron?
Seine Tochter Maria.
Wer wurde 1384 Herrscherin von Polen?
Ludwigs jüngere Tochter Hedwig, auf Polnisch Jadwiga.