Begriffe · 6. Klasse

Karl I. von Ungarn – Begriffe einfach erklärt

Die wichtigsten Begriffe zur Herrschaft Karls I. zeigen gemeinsam, wie das Königreich Ungarn zu Beginn des 14. Jahrhunderts funktionierte. Wer übte die Macht aus? Aus welchen Truppen bestand das Heer? Woher kamen die Einkünfte des Königs? Wenn du diese Zusammenhänge verstehst, musst du die Begriffe nicht als einzelne Definitionen auswendig lernen.

Die Grundbegriffe sind mit einem goldenen Punkt gekennzeichnet. Verstehe zuerst ihre Zusammenhänge. Danach kannst du dich mit den ergänzenden Begriffen beschäftigen.
GebietsherrBaronFamiliarHonor-SystemBannerherrBanderiumRegalienBergbauabgabeGoldforintTorsteuerDreißigstzoll
Macht

Wie funktionierte die Herrschaft?

Zu Beginn der Regierungszeit Karls I. hatten mehrere mächtige Hochadlige neben dem König eigene territoriale Herrschaftsgebiete aufgebaut. Gleichzeitig schuf der König einen Kreis von Baronen, auf den er sich bei der Regierung des Landes stützen konnte.

Das Machtnetz eines Gebietsherrn

GebietsherrÜbt in einem ganzen Landesteil weitgehend selbstständige Macht aus.
Burgen und GüterBilden die wirtschaftliche und militärische Grundlage seiner Macht.
FamiliareAdlige unterstützen ihn im persönlichen Dienst.
zwei miteinander
verbundene
Machtwelten

Die königliche Regierung

KönigVergibt Landesämter und hohe Würden.
BaroneBekleiden die wichtigsten weltlichen Ämter des Königreichs.
Honor-SystemMit einem Amt kann die Nutzung königlicher Burgen und Einkünfte verbunden sein.

Die Personen beider Systeme gehörten nicht immer klar getrennten Gruppen an. Amadeus Aba war beispielsweise ein mächtiger Gebietsherr und trat zeitweise zugleich als wichtiger Unterstützer Karls I. auf.

Gebietsherr (Oligarch) – wer war ein „Kleinkönig“?

Ein Gebietsherr war ein besonders mächtiger Hochadliger, der in einem ganzen Landesteil ein eigenes Machtzentrum aufbaute. Er kontrollierte Burgen und Ländereien, verfügte über Truppen und wurde von Familiaren unterstützt. In seinem Gebiet konnte er die tatsächliche Macht des Königs stark einschränken.

Beispiel: Das Machtzentrum von Matthäus Csák lag in Trencsén (Trentschin). Er kontrollierte große Teile des nordwestlichen Königreichs.
Familiar und Familiarität

Ein Familiar war häufig ein kleinerer Grundbesitzer aus dem Adel, der in den persönlichen Dienst eines mächtigeren Herrn trat. Er konnte Kriegsdienst leisten, eine Burg verwalten oder andere Aufgaben für seinen Herrn übernehmen.

Das Dienstverhältnis zwischen dem Herrn und seinem Familiar heißt Familiarität.

Wichtig: Der Familiar verlor dadurch seinen adligen Rechtsstand nicht.

Baron – was bedeutete der Begriff zur Zeit Karls I.?

Die Barone gehörten zu den wichtigsten weltlichen Amtsträgern des Königreichs. Zu diesen hohen Ämtern zählten zum Beispiel der Palatin, der Landesrichter und der Woiwode von Siebenbürgen.

Sie wirkten im königlichen Rat mit, konnten Burgen und Komitate verwalten und über beträchtliche militärische Kräfte verfügen.

Gut zu wissen: Gemeint ist noch nicht der spätere erbliche Adelstitel „Baron“.

Honor-System – wie belohnte und kontrollierte der König seine Anhänger?

Als Honor bezeichnet man die mit einem Amt verbundene Nutzung königlicher Burgen, Herrschaften und Einkünfte.

Der Amtsträger konnte aus diesen Einkünften seinen Hof und seine bewaffnete Gefolgschaft unterhalten. Die Burgen und Güter blieben weiterhin Eigentum des Königs.

Der Vorteil für den Herrscher: Verlor ein Baron sein Amt, konnte er auch die mit dem Honor verbundene Macht und die entsprechenden Einkünfte verlieren.

Karl I. stärkt die königliche Macht mithilfe loyaler Barone und Amtsträger

Karl I. stärkte die Königsmacht, indem er sich auf loyale Barone und Amtsträger stützte.

Heer

Wie gehörten Hochadliger, Banner und Heer zusammen?

Im mittelalterlichen Heer schlossen sich die Hochadligen mit ihren eigenen bewaffneten Truppen dem Heer des Königs an. Jede dieser Einheiten zog unter einem eigenen Banner in den Krieg.

Bannerherrein vornehmer Hochadliger oder hoher Amtsträger
Eigenes Bannerzeigt, zu welchem Herrn die Truppe gehört
Banderiumdie unter dem Banner in den Krieg ziehende Truppe

Das Banderium ist also eine militärische Einheit. Der Bannerherr ist der Hochadlige, der seine Männer unter dem eigenen Banner anführt.

Bannerherr

Ein vornehmer Hochadliger oder hoher Würdenträger, der seine bewaffneten Männer unter dem eigenen Banner in den Krieg führen durfte.

Das Banner kennzeichnete zugleich den Anführer, die zu ihm gehörende militärische Gruppe und deren Platz im Heer.

Banderium oder Bannerheer

Die bewaffnete Truppe eines Hochadligen oder hohen Geistlichen, die unter dessen eigenem Banner in den Krieg zog.

Die Banderien bildeten einen wichtigen Bestandteil des ungarischen Heerwesens im 14. Jahrhundert.

Geld und königliche Einkünfte

Woher bekam Karl I. sein Geld?

Eine starke Königsmacht brauchte regelmäßige Einnahmen. Unter Karl I. gewannen Bergbau, Münzprägung, Steuern und die Kontrolle des Warenverkehrs besondere Bedeutung.

BergbauGold, Silber und Bergbauabgabe
Königliche EinkünfteBergbau · Münzen · Steuern · Zölle · Hoheitsrechte
MünzprägungGoldforint und königliche Kammern
Steuernregelmäßige Einnahmen in Geld
HandelZölle auf den Warenverkehr
Regalienbesondere Rechte des Königs

Bergbau

Ungarns reiche Gold- und Silbervorkommen sicherten bedeutende Einnahmen.

Bergbauabgabe (Urbura)

Eine königliche Einnahme, die auf das geförderte Edelmetall erhoben wurde. Bei Gold betrug sie ein Zehntel, bei Silber ein Achtel der geförderten Menge.

Seit 1327 erhielt der Grundbesitzer ein Drittel dieser königlichen Abgabe. Die übrigen zwei Drittel blieben dem König. Der Rest des geförderten Edelmetalls gehörte dem Betreiber des Bergwerks.

Münzprägung

Der König kontrollierte die Münzprägung und den amtlichen Handel mit Edelmetallen.

Ungarischer Goldforint (Goldgulden)

Eine hochwertige ungarische Goldmünze nach Florentiner Vorbild. Der Beginn ihrer Prägung wird gewöhnlich auf 1325 datiert.

Königliche Kammer

Eine Einrichtung und zugleich eine regionale Organisation der Finanzverwaltung und Münzprägung. Die königlichen Kammern spielten beim vorgeschriebenen Umtausch von Edelmetallen und bei der Münzprägung eine wichtige Rolle.

Kammergewinn

Die Einnahme des Königs aus dem regelmäßigen Umtausch älterer Münzen gegen neue. Mit der Einführung wertbeständigerer Münzen verlor diese Einnahmequelle an Bedeutung.

Steuern

Regelmäßig in Geld erhobene Steuern brachten dem König unmittelbare Einnahmen.

Torsteuer

Eine seit 1336 erhobene königliche Steuer. Sie musste für bäuerliche Hofstellen entrichtet werden. Als Besteuerungseinheit galt ein Tor, durch das ein beladener Wagen fahren konnte.

Handel

Der Warenverkehr durch das Land brachte dem König auch Zolleinnahmen.

Dreißigstzoll

Ein mit dem Warenverkehr verbundener königlicher Zoll, der bereits in der Árpádenzeit bestand. In der Anjouzeit wurde das System weiterentwickelt.

Königliche Rechte

Bestimmte wirtschaftliche Rechte standen dem Herrscher aufgrund seiner königlichen Hoheitsgewalt zu.

Regalien

Sammelbegriff für besondere Rechte und Einkünfte, die aus den Hoheitsrechten des Königs hervorgingen. Dazu gehörten zum Beispiel die Münzprägung, das Salz und verschiedene Zolleinnahmen.

Königliches Monopol

Ein ausschließliches wirtschaftliches Recht, das der König unter seiner Kontrolle hielt. Solche Rechte konnten sich etwa auf die Münzprägung oder das Salz beziehen.

Wirtschaftsreformen Karls I. mit Bergbau, Goldforint und Münzprägung

Bergbau, Edelmetallhandel und Münzprägung waren wichtige Bestandteile des Finanzsystems Karls I.

Weitere Begriffe

Diesen Ausdrücken kannst du ebenfalls begegnen

PalatinEiner der höchsten weltlichen Würdenträger im mittelalterlichen Königreich Ungarn. Er erfüllte wichtige richterliche und staatliche Aufgaben. Auch Amadeus Aba und Kopasz Borsa bekleideten dieses Amt.
Päpstlicher LegatEin Vertreter, den der Papst mit besonderen Vollmachten entsandte. Kardinal Gentilis half in dieser Funktion dabei, Karls Stellung als König zu festigen.
StapelrechtDas Privileg einer Stadt, durchreisende Kaufleute dazu zu verpflichten, ihre Waren dort für eine festgelegte Zeit zum Verkauf anzubieten.
Probier es aus!

Welcher Begriff passt zur Situation?

Hier sollst du keine Definition aufsagen. Finde anhand der geschichtlichen Situation heraus, welcher Begriff gemeint ist. Öffne danach die Antwort.

Ein Hochadliger lenkt von Trencsén aus seine Burgen, Truppen und die Politik eines ganzen Landesteils. Welche Machtstellung wird beschrieben?
Gebietsherr oder Oligarch. Matthäus Csák gehört zu den bekanntesten Beispielen dieser Epoche.
Ein kleinerer Adliger tritt in den militärischen und verwaltenden Dienst eines mächtigen Herrn, bleibt dabei jedoch Adliger. Wie heißt diese Person?
Familiar. Das Dienstverhältnis zwischen beiden heißt Familiarität.
Der König verbindet ein hohes Amt mit der Nutzung mehrerer königlicher Burgen und ihrer Einkünfte. Der Baron darf sie nur nutzen, solange er das Amt besitzt. Wie heißt dieses System?
Honor-System.
Ein Hochadliger führt unter seinem eigenen Banner mehrere Hundert Bewaffnete in den Krieg. Wie heißen der Anführer und seine Truppe?
Der Hochadlige ist der Bannerherr; die unter seinem Banner ziehende Truppe heißt Banderium oder Bannerheer.
Auf einem Landgut wird Gold gefunden. Der Grundbesitzer erhält einen Anteil an der königlichen Einnahme, die auf das geförderte Edelmetall erhoben wird. Welcher Begriff gehört dazu?
Bergbauabgabe, lateinisch Urbura.
Der König lässt eine Goldmünze prägen, deren Gewicht und Edelmetallgehalt dauerhaft stabil bleiben sollen. Welche Münze ist gemeint?
Der ungarische Goldforint oder Goldgulden.
Ein bäuerlicher Hof besitzt ein Tor, durch das ein beladener Wagen fahren kann. Welche Steuer aus der Zeit Karls I. ist damit verbunden?
Die Torsteuer.
Kaufleute transportieren Waren durch das Land und zahlen darauf einen königlichen Zoll. An welchen Begriff kannst du denken?
An den Dreißigstzoll.
Münzprägung, Salz und bestimmte Zölle gehören zu den besonderen Rechten des Königs. Wie lautet der Sammelbegriff für diese Rechte und Einkünfte?
Regalien.
Zusammenfassung

Die Begriffe zur Herrschaft Karls I. als System

Wenn du erkennst, zu welchem Thema ein Begriff gehört, wird die gesamte Lektion leichter verständlich.

Macht und GesellschaftGebietsherr · Familiar · Familiarität · Baron · Honor-System · Palatin
HeerBannerherr · Banderium · Bannerheer
Geld und WirtschaftRegalien · Bergbauabgabe · Urbura · Goldforint · Kammer · Kammergewinn · Torsteuer · Dreißigstzoll · königliches Monopol